Bootcamp, Training, Drill und Co

Willst du eine militärische Figur (Soldat oder ähnliches) darstellen?
Dann befasse dich auch mit dem Hintergrund, wie ist er zu seinem Rang gekommen, wieso ist er beim Militär?

Gerade wenn historische Schlachten nachgestellt werden, wird bis zu einem gewissen Grad auch körperliche Fitness benötigt. Natürlich kannst du das in einem Fitnesscenter erwerben, oder du versuchst dir einen Parcour im Sinne eines Bootcamps aufzubauen.

Das klingt schlimmer als es wirklich ist. Ein Bootcamp klingt nach harschem Anbrüllen, nach Beschimpfungen und vielem mehr. Aber im Grund dient es nur dazu einen stark zu machen.

Zur Geschichte:
Nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbor befand sich Amerika plötzlich persönlich in den Krieg verwickelt. Doch damals sprach die US Army von einer amerikanischen Softie-Generation, von Schwächlingen, deren Stehvermögen nicht ausreichend war um den Dienst an der Waffe antreten zu können. Zu sehr hätte der lockere Lebensstil zur Verweichlichung der Jugend geführt. Wie sollten diese jungen Burschen die Festung Europas stürmen und im Nahkampf bestehen?

1940 mussten sich 1000 College Studenten aus Illinois einem Sporttest unterziehen.
24% konnten keine hüfthohe Hürde überspringen
13% versagten beim Schwimmen
36% schafften im Wasser nicht einmal 50 Yards
25% brachten keine 5 Klimmzüge zusammen
3% bekamen am Reck nicht einmal einen „chin-up“ zusammen

Binnen kurzer Zeit entwickelte die US Army ein passendes Trainingsprogramm („toughening-up program“) das die Neuzugänge ausreichend vorbereiten sollte. Vorhandene Sporttests und vorhandene Ausbildungspläne wurden von 3 renommierten Hochschulrektoren mit dem Fachbereich Sport überarbeitet. Sie setzten auf moderne Fitnessprogramme und vereinfachte Bewegunsabläufe. Veranschlagt wurden dafür 20 Minuten.Damit wurde der Leitfaden „The Army’s Daily Dozen“ auf ein sinnvolles, modernes Level gehoben. Dieses Programm hatte der Rekrut nun täglich zu absolvieren. Damit sagte das Kriegsministerium der „Hühnerbrust“ den Kampf an.

Inhalt des Dutzends:

  • The High Jumper
  • Squat Bender
  • Rowing Exercise
  • Sit-Ups
  • Push-Ups
  • The Bank Twist
  • The Burpee
  • Side Bender
  • Eight Count Push-Ups
  • Squat Jump
  • Stationary Run
  • Trunk Twister

Die Namen sollten kurz und anschaulich die Übungen benennen, zwecks leichteren Merkens. Rhythmische Bewegungsabläufe entstanden durch festgelegte Zählimpulse. Das garantierte Training im Gleichschritt.

Wer denkt, das sei alles, irrt. Weitere Innovationen sind:
Nahkampftraining, Guerilla Taktiken, Teamsportarten wie Baseball oder auch einfache Spiele gehörten dazu.

Das Ergebnis lässt sich in der Dienstvorschrift „Training Circular 87“ nachlesen.

Überprüfung der Ergebnisse:
Regelmässige Überprüfung der körperlichen Leistungsfähigkeit schrieb der Leitfaden T.C. 87 vor. Darunter fielen die Werte von Muskelkraft, Ausdauer, Koordination sowie Wendigkeit, anhand dessen die Trainingsfortschritte erkennbar sein sollten.
Dieses neue Programm forderte nicht nur die Rekruten, sondern auch die Offiziere. Sie waren verantwortlich für den Erfolg des Programms.

Die sogenannten „athletic officers“ etablierten 7 Standardtest mit einem Punktesystem, damit jeder seine eigene Leistung im Vergleich mit den anderen sehen konnte. Darunter fällt auch der „20 Sekunden-Burpee-Test“, das besagt 13 oder mehr in 20 Sekunden gelten als hervorragend.
Dies besagte ausserdem, dass für den Fronteinsatz der Rekrut erst bei 40-50 Burpees ohne Pause in einem guten (geschmeidigen) Rhythmus geeignet war. Dabei gilt folgendes:

  • 8 Burpees – schwach
  • 10  Burpees – ordentlich
  • 12 Burpees – gut
  • 13 oder mehr – hervorragend

Burpee 1.0 – Ausführung

  • aufrechter Stand, Arme seitlich am Körper anliegend
  • bei „1“ in die Hocke, Handfläche auf den Boden, Arme zwischen den Knie
  • bei „2“ Sprung in den Liegestütz, Gewicht auf Zehen und Händen ruhend
  • bei „3“ Sprung zurück in die Hocke
  • bei „4“ zurück in den Stand

Royal Burpee
Erfinder und Namensgeber war der New York City Physiologe Dr. Royal Huddleston Burpee. Er arbeitete für den YMCA (Young Men’s Christian Association) in der Bronx. Eines seiner Anliegen war, dass auch Otto-Normalo seine Fitness verbessern können sollte. Einen Leitfaden brachte er unter dem Titel „Seven Quickly Administered Tests of Physical Capacity“ heraus. Wirklich begeistert war er nicht, dass die Army seinen Test aufgriff, befand die Intensität als zu hoch. 1978 verstirbt er, könnte aber durchaus stolz darauf sein, dass der nach ihm benannte Burpee auch heute noch besonders von Fitnessfans gern praktiziert wird.

Fazit:
Wenn du als Reenactor ein wenig fitter sein willst (und gerade für militärische Figuren ist das wünschenswert), dann zieh Fitnesstrainings heran, die auch dem militärischen Stil entsprechen. Längst gibt es Trainingsbücher auch aktueller Einheiten, die in kurzer Zeit eine weitaus bessere Performance schaffen. Sport ist Freude und macht Spaß, wie weit du dafür ein Bootcamp für dich erschaffen willst, solltest du dir überlegen, denn richtig aufgezogen ist es ein Ansporn und hinterher kann der Teilnehmer wirklich stolz auf seine Leistung sein.

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