Film: Zug des Lebens (Originaltitel: Train de vie)

Titel: Zug des Lebens (Originaltitel: Train de vie)
allgemein: F/B/NL/I/R / 1998 / 103 min
Regie: Radu Mihăileanu
Produzent: Marc Baschet
Musik: Goran Bregović
Drehbuch: Radu Mihăileanu
Darsteller: Lionel Abelanski, Rufus, Clement Harari, Michel Muller
ab: 6

Worum geht es?
1941 erfahren die Bewohner von Schtetl, dass sie in ein Konzentrationslager deportiert werden sollen. Der „Rat der Weisen“ findet keine annehmbare Lösung. Erst Schlomo, der Dorfdepp, kommt auf eine ungewöhnliche Lösung. Als falscher Deportationszug wollen sie so ihrer Verhaftung entgehen.
Das Ziel des Zuges ist der Osten. Über die Sowjetunion soll dadurch die Flucht nach Palästina erreicht werden. Dazu erwerben sie alte Waggons und eine fast schon schrottreife Dampflokomotive. Sie beginnen Uniformen zu nähen. Einige Dorfbewohner verkleiden sich als deutsche Wehrmachtssoldaten. Mordechai Schwarz wird vom Holzhändler zum Major. Aus der Schweiz reist der Cousin des Rabbis an, um ihnen „deutsches“ Deutsch beizubringen. Ein Kommunist fälscht für sie Ausweise und andere notwendige Papiere. Erst, als einige Kinder darüber plaudern, kommen die Pläne ans Licht, wodurch Eile geboten ist.

Auf ihrer Fahrt entkommen sie einer vorbereiteten Sprengstoffladung. Untereinander sind sie sich nicht mehr sonderlich grün. Yossi, des Rabbis Pflegesohn, hat sich zum begeisterten Kommunisten entwickelt und einige Juden als Anhänger gewonnen. Sie fordern die besseren Waggons.

In der Zwischenzeit ist SS misstrauisch geworden und befragt den Bürgermeister des Ortes. Auf Nachfragen wird der unangemeldete Zug offiziell als geheim tituliert, da dieser besonders „gefährliche kommunistische Juden“ transportieren soll. Die SS äschert das verlassene Schtetl ein. Eine Gruppe Partisanen, die den „Judenzug“ aufhalten wollen, stellen fest, dass die deutschen Wächter auf jüdisch beten und geben verwirrt ihr Vorhaben auf.

Kurz vor der russischen Grenze wird der Zug zum wiederholten Mal aufgehalten. Die kontrollierenden deutschen Soldaten enttarnen sich als Zigeuner, die den gleichen Trick wie die Juden nutzten. Gemeinsam fahren sie weiter, nachdem sie Freundschaft geschlossen haben.

Kommentar:
Um ihr Leben zu retten, tun Menschen bisweilen ganz besonders ungewöhnliche Dinge. Typisch jiddischen Humor versteht nicht jeder. Dementsprechend wird auch nicht jeder verstehen, wie jüdischer Humor den Betroffenen das (Weiter)Leben ermöglichte. Er ist etwas ganz Eigenes und dadurch etwas Besonderes. Der Film nimmt den Holocaust auf ganz eigene Art und Weise ernst, aber lädt gleichzeitig dazu ein, das allgemeine Wissen über den Holocaust ein wenig zu hinterfragen. Manchmal bedarf es eines kleinen Anstoßes, um altbekannte Tatsachen und Wissen in einem etwas anderen Licht zu sehen. Dem Grauen der Verfolgungen wird hier mit jüdischem Witz begegnet.

Das Thema selber ist schwierig, vor allem, wenn es mit Humor in Einklang gebracht werden soll. Bravourös führt einen dieser Film durch diese Thematik, ohne über die Stränge zu schlagen. Handlung, Dramaturgie, Humor und etwas überzeichnete Charaktere nehmen einem die Scheu vor schwerer Kost.

Wer sich mit dem Thema Shoah etwas genauer auseinandersetzen will, für den ist dieser Film besonders geeignet. Doch Vorsicht – der Film bringt einen zum Nachdenken.

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